Struktur, Politik und ökologischer Wandel der Schweizer Landwirtschaft

Struktur und Entwicklung der Schweizer Landwirtschaft

Die Schweizer Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten tiefgreifend gewandelt. Während 2022 noch 48'344 landwirtschaftliche Betriebe existierten, hat sich die Anzahl seit 1985 mehr als halbiert. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Betriebsgrösse gestiegen: 2022 bewirtschaftete ein Betrieb durchschnittlich 21,6 Hektaren, wobei rund 3'250 Betriebe mehr als 50 Hektaren aufweisen.

Die räumliche Verteilung zeigt eine Konzentration in der Talregion (44 Prozent), während 41 Prozent der Betriebe in der Bergregion und 15 Prozent in der Hügelzone liegen. Die Nutzung der landwirtschaftlichen Fläche (insgesamt 1'042'014 Hektar) ist geprägt von Grünflächen (58 Prozent) und Ackerland (38 Prozent). Die Landwirtschaft trägt mit 0,6 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei und beschäftigt 2,3 Prozent aller Erwerbstätigen.

Regionale Beispiele: Kanton Freiburg

Im Kanton Freiburg zeigen sich diese Trends besonders deutlich. 2024 zählte der Kanton noch 2'553 Betriebe, was einem Rückgang von 59,9 Prozent seit 1975 entspricht. Besonders auffällig ist der Geflügelsektor: Mit 2,1 Millionen Geflügeleinheiten erreichte Freiburg 2024 den höchsten Wert der Schweiz. Im Gegensatz dazu gingen die Rinderbestände seit 1975 um 12,8 Prozent und die Schweinebestände um 41,3 Prozent zurück.

Ökologische Landwirtschaft und Biodiversität

Dynamik des Biolandbaus

Der ökologische Landbau in der Schweiz erlebte in den letzten Jahren starkes Wachstum. Waren es Ende 2000 noch 5'850 Bio-Betriebe (9,2 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe) mit rund 95'000 Hektaren, lag der nationale Durchschnitt 2024 bei 16,8 Prozent. Der Kanton Freiburg bleibt mit 249 biologisch bewirtschafteten Betrieben (9,8 Prozent) jedoch deutlich unter diesem Durchschnitt.

Die Entwicklung verläuft nicht linear: Während sich die Zahl der Biobetriebe in Freiburg zwischen 2004 und 2019 verdoppelte, verlangsamte sich das Wachstum seit 2020 und ging 2024 erstmals leicht zurück.

Biodiversitätsförderflächen und ÖLN

Ein zentrales Instrument der schweizerischen Agrarpolitik ist der Ökologische Leistungsnachweis (ÖLN) mit den Biodiversitätsförderflächen (BFF). Diese Flächen dienen dem Erhalt und der Vernetzung natürlicher Lebensräume. Das System unterscheidet verschiedene Qualitätsstufen und Kulturen – von extensiv genutzten Wiesen über Ackerschonstreifen bis zu hochstämmigen Feldobstbäumen.

Eine wichtige politische Änderung erfolgte 2024: Die Annahme der Motion Grin durch den Ständerat führte zur Abschaffung der Pflicht, 3,5 Prozent der Ackerflächen als BFF anzulegen. Die Massnahme "Getreide in weiter Reihe" wurde dadurch auf nationaler Ebene per 2025 aufgehoben. Die Kantone können diese jedoch als regionsspezifische BFF weiterführen.

Agrarpolitik zwischen Subventionen und Marktschutz

Direktzahlungen und ihre Ausrichtung

Der Bund unterstützt die Landwirtschaft 2022 mit rund 3,7 Milliarden Franken. Davon entfallen 76 Prozent (2,8 Milliarden) auf Direktzahlungen, die an sieben Beitragskategorien gekoppelt sind: Kulturlandschaftsbeiträge, Versorgungssicherheitsbeiträge, Biodiversitätsbeiträge, Landschaftsqualitätsbeiträge, Produktionssystembeiträge, Ressourceneffizienzbeiträge und Übergangsbeiträge.

Die Versorgungssicherheitsbeiträge bildeten 2022 mit knapp 39 Prozent den grössten Anteil. Sie umfassen Basisbeiträge (600 Franken pro Hektar), Zuschläge für offene Ackerflächen (400 Franken) sowie Produktionserschwernisbeiträge für Berg- und Hügelregionen (290–490 Franken).

Grenzschutz und Zölle

Der Schweizer Agrarsektor ist durch einen starken Grenzschutz gekennzeichnet. Der durchschnittliche Zollsatz auf Agrarprodukte lag 2022 bei 32,4 Prozent – im internationalen Vergleich nur von Norwegen, Südkorea, der Türkei und Indien übertroffen. Für Milchprodukte erreichen die Zölle im Durchschnitt 187,5 Prozent, für tierische Produkte 96,7 Prozent.

Das System basiert auf Zöllen und Kontingenten. Saisonale Tarife kombiniert mit Mengenbeschränkungen schützen einheimische Produkte während der Erntezeit. Ausserhalb der Saison oder bei inländischem Angebotsmangel werden niedrigere Tarife gewährt.

Sonderrechte und internationale Perspektive

Landwirtschaftliche Betriebe geniessen zahlreiche Privilegien: Von der Befreiung von der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe über vereinfachte Zugänge zu zinslosen Investitionskrediten bis zu steuerlichen Vergünstigungen beim Wohneigentum. Das bäuerliche Bodenrecht erschwert zudem den Erwerb landwirtschaftlicher Flächen für Nichtlandwirte.

Die OECD weist die Schweiz als eines der am stärksten subventionierten Agrarländer aus. Der Producer Support Estimate (PSE) lag bei fast 45 Prozent der Bruttoeignehmen, nur Norwegen zeigt höhere Werte. Als erfolgreiches Beispiel einer Liberalisierung gilt der Käsemarkt: Seit der vollständigen Öffnung gegenüber der EU 2007 stieg die schweizerische Käseproduktion um 15 Prozent und die Exporte um 30 Prozent.

Märkte und Handelsströme

Der Bio-Markt und seine Strukturen

Der Schweizer Markt für Bio-Produkte wuchs dynamisch. 2000 belief sich das Volumen auf 770 Millionen Franken (2 Prozent des Lebensmittelmarktes). Die Verteilung erfolgt primär über Supermärkte: COOP und Migros decken rund 60 Prozent des Bio-Absatzes ab. Die Selbstversorgung liegt bei 45 Prozent (Netto), wobei Milchprodukte mit 107 Prozent exportüberschüssig und pflanzliche Fette mit 23 Prozent am niedrigsten sind.

Importregime und Marktzugang

Rund zwei Drittel der in der Schweiz verkauften Bio-Produkte stammen aus einheimischer Produktion. Importe sind stark reguliert: Für Länder ausserhalb des EU-Raums gilt ein System der Äquivalenzprüfung durch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). Die BIO SUISSE-Label-Kontrolle umfasst strenge Auflagen, darunter das Verbot von Lufttransporten für zertifizierte Produkte.

Saisonale Importkontingente begrenzen traditionell die Zufuhr. Während der Schweizer Erntesaison werden hohe Zölle erhoben, während in der Off-Saison (November bis April) niedrigere Tarife gelten. Dies bietet Entwicklungsländern Chancen, sofern ihre Produktions- und Zertifizierungssysteme den schweizerischen Standards entsprechen.